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re: e-mail howto [was: netiquette] -- oder: zehn mails, nach denen du nichts mehr von mir liest.
m. :: technix :: 04 Juni 2006 :: 17:03

kein scherz -- diesmal geht's ausschließlich um die frage: "wie schreibe ich eigentlich eine e-mail?" ich bekomme nämlich jeden tag mindestens eine hand voll, bei der ich ein wenig in mich hinein weine. dabei geht es weniger um stilistisches, sondern eher um kommunikations-trivialitäten. und dann gibt es immer diese situationen, wo ich (gerne auch virtuell) nur fragende blicke ernte, wenn ein begriff wie "netiquette" fällt. es ist selten, aber in solchen augenblicken fühle ich mich irgendwie alt.

du bist das internet

und ich kann euch nicht einmal die schuld in die schuhe schieben, denn die vereinfachende "ich bin drin, das war's schon?"-propaganda erzeugt die verlockende illusion einer online-welt, wie wir sie gerne hätten: einschalten und ab dafür. doch auch eine virtuelle gesellschaft stockt, gerät in überflüssige streitereien oder versinkt in allgemeiner unbrauchbarkeit, wenn sich nicht wenigstens ein signifikanter teil an selbst ausgehandelte regeln hält. wie auch immer wieder bequem ignoriert wird, daß letztlich auch ein staat in seiner gesamtheit aus jeder einzelnen gebildet wird, ist eigentlich auch das, was heute "das internet" genannt wird, im wesentlichen nur ein haufen miteinander verbundener computer. ja, auch du bist jetzt gerade sozusagen "das internet". und ich. und noch ein paar andere, die ich jetzt nicht aufzählen möchte. was sich trivial und selbstverständlich liest, bringt auch eine unanehmlichkeit mit sich: verantwortung. darum gibt's ...

... erst mal eine standpauke

wenn ich frage, ob jemand antivirus-software einsetzt, und es dann nach firewalls und softwareupdates langsam "zu kompliziert" wird, bekomme ich oft in einem tonfall der selbstaufgabe zu hören: "ach, ist doch egal, was wollen die denn überhaupt mit meinen dateien..." nääääp -- falsch. wenn ich so etwas frage, geht es mir nicht primär um "deine daten", sondern um die brauchbarkeit des netzes, in dem wir uns alle so gerne aufhalten. wer diesen zusammenhang nicht begriffen hat, läßt sich seine maschine womöglich unbemerkt zur spam-schleuder umfunktionieren, die dann indirekt das eigene postfach zumüllt. ergo: computernutzer/innen, die ihre rechner/innen nicht verantwortungsbewußt netzwerktauglich halten, haben im internet so viel verloren wie alkoholleichen am steuer eines fahrzeugs auf der autobahn.

doch zurück zur e-mail

die netiquette ist also schon wieder vergessen. nein, die meisten haben einfach nie von ihr erfahren. vielleicht war ihr bittender charakter auch nicht der richtige ansatz, um mit nachdruck auf ihre einhaltung zu pochen. darum formuliere ich lieber gleich

die 10 todsünden des mail-verkehrs




  1. html

    zynisch: "schick kein html, sondern bau dir eine homepage."
    html -- die "hypertext markup language" -- ist die auszeichnungssprache, aus der homepages wie diese hier zusammengesetzt werden. seit jahren hält sich die unart, diesen code auch in e-mails zu verwenden, um den text "schön" zu machen: ein meist unleserlicher, aber eigener schrifttyp, hier etwas fett, dort unterstrichen, dann noch ein hintergrundbild, schnörkel rechts und links. yiearch! das war sicher gut gemeint, aber zum einen bläht es die mail unnötig auf (schon reines html ohne irgendwelche grafiken kann die mail schnell auf das zehnfache aufblasen). zum anderen muß das ganze nicht nur durchs netz transportiert, sondern auf der empfängerseite auch wie gewünscht angezeigt werden, d.h. der html-code muß von der verwendeten software (i.d.r. ein e-mail-programm) interpretiert werden, und das ist schon aus sicherheitsgründen das erste, was man seinem mail-client abgewöhnen sollte. das wiederum macht die mail aber nahezu unlesbar -- zur demonstration der anfang einer solchen html-mail, in dem eigentlich nur "hallo m." steht:


    <!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.0 Transitional//EN">
    <HTML><HEAD>
    <META http-equiv=3DContent-Type content=3D"text/html; =
    charset=3Diso-8859-1">
    <META content=3D"MSHTML 6.00.2900.2802" name=3DGENERATOR>
    <STYLE></STYLE>
    </HEAD>
    <BODY bgColor=3D#ffffff>
    <DIV><FONT face=3DTahoma size=3D2>hallo m.</FONT></DIV>


    und? hättest du lust, dir aus diesem quälcode die für dich bestimmte nachricht herauszusortieren? also spreche vor jedem absenden: "ich werde niemals html in einer e-mail verwenden, sondern nur reinen text."

  2. anhänge

    wieder zynisch: "schick mir keinen anhang, ich brauch den platz für spam."
    ja, da schauen jetzt bestimmt viele überrascht: "hä? komm schon, das ist doch so praktisch..." nun, für euch vielleicht. ich präzisiere dieses sündige verhalten: unaufgefordert verschickte anhänge. oder an eine mailingliste geschickte anhänge. der einfachheit halber sind mir anhänge generell verdächtig, und eigentlich hat in einer e-mail auch nichts außer purem text etwas verloren (so hatten sich deren schöpfer/innen das zumindest einmal ausgedacht -- die wollten übrigens auch schon von html nichts wissen). es ist eine sache, gezielt eine angefragte datei zu versenden; und eine andere, mal eben die sammlung der lustigsten urlaubsfotos (...) als überraschung an die besten freunde zu mailen -- wozu hat man die fette dsl-flat? zu dumm, wenn die rückständigen bekannten noch immer mit einem modem durch's netz schleichen und den "mal eben"-mail-check nach drei stunden entnervt aufgeben. doch auch mit dsl-zugang will ich keine megabyte-großen einmalangeschautundvergessen-teilos im mail-archiv herumliegen haben. du sagst: "kannst du doch löschen." -- ich sage: kannst du doch gleich behalten.

    nicht zu vergessen die ökologischen konsequenzen deines sendungsbewußtseins: wenn du deinen kram auf verdacht an empfänger/innen schickst, die es vermutlich in vielen fällen gar nicht interessiert (auch wenn du an etwas anderes glaubst), dann werden diese daten sinnlos durchs netz geschaufelt. mach dir bewußt, wieviele millionen menschen täglich auf diese idee kommen. da wird nicht nur direkt energie verschwendet, sondern das netz muß auch ständig weiter ausgebaut werden, um keine binären verdauungsbeschwerden zu erleiden. vielleicht macht sich mal jemand die mühe und rechnet eine überflüssige word-datei in quadratmeter abgeholzten regenwald um.

    es gibt einen sehr eleganten ausweg aus der misere. webspace bekommt man inzwischen für (fast) nichts; warum ladet ihr euren kram nicht einfach irgendwo hoch und verschickt nur den link auf die dateien? ich meine: wenn das schon zu viel aufwand ist, dann ist das ganze auch keine mail wert. also spreche vor jedem absenden: "ich werde niemals unaufgefordert dateien anhängen."

  3. tofu

    das finden wir vor allem in mailinglisten: "text oben, fullquote unten". im klartext sind das antworten auf seitenlange, oft sehr sinnvolle erläuterungen, in denen noch einmal der gesamte seitenlage, immer noch sinnvolle originaltext als zitat steht, nur um ein schlichtes "stimmt!" oder "finde ich auch!" oben drüber zu schreiben. das vervielfältigt sich dann gerne, und bald habe ich 20 bildschirmseiten an mails erhalten, von denen zusammengenommen knapp zwei zeilen als neuer beitrag zu werten sind. damit macht ihr euch eben mal so sexy wie teilnehmer einer "realen" diskussion, die sich so gerne selbst reden hören, daß sie in jedem beitrag nochmal ausführlich wiederholen, was alle anderen schon sagten, und dies mit füllern wie "ich bin auch der meinung, daß..." verbinden. denkt da nicht jeder reflexartig, der sich das anhören muß: "ich weiß das, ich bin schließlich auch nicht gerade erst dazugestoßen"? gleiches gilt für den zitierten originaltext -- im normalfall haben ihn alle anderen ebenfalls bereits erhalten, es ist also nicht nötig, ihn mit jeder antwort noch einmal zu verschicken.

    also laßt es doch um himmels willen einfach weg! dann beachtet bitte aber auch die folgenden punkte, sonst wird alles eher schlimmer. spreche vor jedem absenden: "ich werde niemals überflüssig zitieren."

  4. zitate?

    ich habe an sich nichts gegen zitate. ganz im gegenteil -- sie sind, mit verstand eingesetzt, ein großer vorteil von e-mails gegenüber herkömmlicher korrespondenz, denn diese nötigte uns immer erinnerungskonstruktionen ab wie "du hast mich ja gefragt, was ich davon halte, bla...". in einer mail können wir uns voll auf unsere antwort konzentrieren, wenn wir sie direkt unter die zitierte original-äußerung schreiben. aber dann sollte bitte auch das mail-programm so eingerichtet sein, daß es zitate kennzeichnet, am besten durch ein standard-">" am linken rand. es sollte bei zitierten zitaten auch so intelligent sein, eine weitere reihe dieser symbole davorzusetzen. die eigene antwort gehört, üblich durch eine leerzeile getrennt, unter das entsprechende zitat, nicht mitten hinein -- sonst artet das lesen der antwort in eine ostereiersuche aus.

    spezialistinnen auf dem gebiet lassen manchmal jegliche kennzeichnung von zitaten vermissen. dann darf ich mir aussuchen, was von mir und was die antwort ist. auch das macht keinen spaß. eine mail-diskussion mit nachvollziehbar zitiertem text sieht also ungefähr so aus:


    > > das mit dem zitieren will ja auch gelernt sein
    >
    > sei doch nicht gleich beleidigt

    du hast mich falsch verstanden, ich muß mich nur dran gewöhnen ;-)


    spreche vor jedem absenden: "ich werde sinnvoll zitieren, aber niemals zitat und antwort ununterscheidbar mischen."

  5. <kein betreff>

    zugegeben, unter gewissen umständen kann es künstlerisch wertvoll sein, ein werk bewußt unbetitelt in die welt zu entlassen. doch in serie verliert es irgendwie seinen reiz. und mag ich es bei einer einzelnen mail noch verschmerzen, wird es -- vor allem in mailinglisten -- irgendwann total chaotisch, wenn jede zweite mail "re: aw: kein betreff" heißt. der anblick einer ansamlung solcher mails in einem ordner läßt mich unwillkürlich fragen, wer dort wohl überhaupt etwas mitzuteilen hat.

    ich bekomme am tag viele mails. dazu mag ich keine zahl angeben, weil sich darauf immer "ha, das ist doch noch gar nix"-schlaumeierinnen finden. in jedem fall brauche ich einen vernünftigen betreff, um einzelne mails auch nach einer weile noch wiederzufinden. spreche vor jedem absenden: "ich werde niemals einen aussagekräftigen betreff vergessen."


  6. öffentliche adressbücher

    ok, die einladung zur abrißparty soll gleich an die halbe stadt gehen. wo auch immer du all diese mail-adressen her hast, ich will sie nicht in meiner inbox haben. vor allem aber will ich nicht, daß auch alle angeschriebenen von dir meine mail-adresse geliefert bekommen. du wunderst dich noch woher der ganze spam kommt, verschickst aber dein adressbuch in alle welt, indem du alle empfänger/innen einfach ins "to:"- oder "cc:"-feld einträgst? hast du schon mal einen serienbrief bekommen, auf dem noch hundertdreiundachtzig weitere adressaufkleber prangten? für diese zwecke haben sich schlaue menschen bei der konzeption des mailsystems ein besonderes adressfeld ausgedacht -- "bcc:", "blind carbon copy", also "blindkopie". genau dort gehören deine adress-kataloge herein, dann klappt's auch mit dem datenschutz. spreche vor jedem absenden: "ich werde konvolute an mail-adressen niemals direkt in das empfänger/innen- oder kopie-feld eintragen, sondern dafür immer blindkopien verwenden."

  7. keine signatur

    in deiner mail steht nur "ruf mich sofort ganz dringend an!" denn du weißt, daß ich deine nummer habe. was du nicht weißt ist, daß ich grad auf mehrwöchiger rumreise in fernen galaxien bin und deine nummer zu hause ließ. so scheitert diese kommunikation unnötigerweise an falschen annahmen. zur sicherheit hättest du gerne noch eine nummer mitschicken können, wenn es wirklich so dringend ist, denn so würde sich auch für mich das kramen danach erübrigen, selbst wenn ich zu hause wäre, und mein rückruf käme ohne weitere lebensbedrohliche latenz. es entstand daraus die gepflogenheit, eine kurze signatur mit kontaktdaten unter jeder mail anzubringen. jedes mailprogramm beherrscht diesen kniff. und es tut dir sicherlich nicht weh, automatisch deine anschrift, bevorzugte mail-adresse, telefonnummer und vielleicht angaben zur eigenen homepage mitzuliefern. denk immer dran, im zweifelsfall kann dir das den tag retten. spreche vor jedem absenden: "ich werde eine mail niemals ohne meine kontaktdaten versenden."

  8. signatur-spam

    wenn du die signatur-funktion neu entdeckt hast, bekommst du vielleicht lust, auch gleich noch deinen lieblingssongtext, deinen lebenslauf oder ein paßbild in 78x156 ascii art einzuflechten. zugegeben, die zu beginn des netzes ausgegebene grenze von vier zeilen für eine netiquette-konforme mailsignatur ist heute vielleicht doch etwas zu streng, aber wenn deine signatur auch bei ausführlichen mails immer noch länger ist als dein text, hapert es mit der verhältnismäßigkeit. gänzlich überflüssig sind ellenlange disclaimer a la "diese mail enthält private informationen, wenn sie sie versehentlich erhalten haben, löschen sie sie ungelesen und tilgen sie jede erinnerung aus ihrem gedächtnis, sonst bohre ich ihren kopf auf und sie werden mal schön sehen, was sie davon haben." seufz. spreche vor jedem absenden: "ich werde meine signatur niemals mit nippes überfachten."

  9. SCHREIEREIEN

    bleiben wir zivilisiert. es tut selten not, herumzuschreien. im mailverkehr werden jedoch allgemein GROSSBUCHSTABEN ALS BRÜLLEN interpretiert. die schriftform hat eben das manko, betonungen, ironie und emotionen nicht parallel zum inhalt transportieren zu können, im unterschied zum gesprochenen wort oder gar direkten gesprächen, wo gesten und mimik helfen. in der mail-kommunikation hatten daher bald emoticons :-) einzug, aber auch betonungshilfen, um bestimmte passagen *hervorzuheben* oder zu _unterstreichen_. auch diese umgangsformen sollten dir bekannt sein, bevor du dich selbst als rüpel verschrien hast. spreche vor jedem absenden: "ich werde niemals grundlos die haltung verlieren."

  10. kettenmails

    noch einmal zynisch: ja, die welt ist schlecht. und weißt du was? du kannst sie noch schlechter machen. beispielsweise indem du ungeprüft jeden quatsch glaubst, der dein postfach erreicht, und ihn auch gleich noch an alle weiterleitest, die deiner meinung nach auch grad nichts besseres zu tun haben. da werden leukämien geheilt, verschwundene gesucht oder irgendein anderes leid in der welt angeprangert. "doch wir kennen uns schon lang und wir wissen genau: nichts von alledem ist wahr" (ea 80)!

    wann immer es in deinem finger zuckt, ein undurchschaubares hilfegesuch weiterzuverbreiten, schalte erst einmal eine pause dazwischen und überprüfe die seriösität der geschichte (z.b. bei einem kurzen besuch von hoaxinfo.de). im zweifelsfall sollte so eine mail ungeprüft in den papierkorb wandern, denn auch kettenbriefe, die angeblich seit hunderten von jahren unterwegs sind und dich mit ausfallenden gliedmaßen bedrohen, wenn ausgerechnet du die kühnheit besitzt, diese serie der glückseligkeit zu unterbrechen, haben weder den hunger verschwinden lassen noch für den weltfrieden gesorgt. wenn du wirklich helfen willst, registriere dich mit einer blutprobe bei einer amtlichen knochenmark-einrichtung oder überweise geld an eine seriöse hilfsorganisation. die verbreitung von mail-hoaxes verschwendet nur zeit und ressourcen, die tatsächlich sinnvoll hätten genutzt werden können. spreche vor jedem absenden: "ich werde niemals etwas weiterleiten, dessen echtheit ich nicht sicher überprüft habe."



abschließend möchte ich mir noch dringend wünschen, daß du dich mit digitaler signatur und verschlüsselung auseinandersetzt. wir schliddern hier nach und nach in überwachunsstaatliche verhältnisse, und ich möchte meine digitale post auch in zukunft lieber als erster lesen. mach bitte mit!


soundtrack: the gathering :: forgotten reprise [home]


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zwei kommentare:


:: 1 ::
zu punkt 7: telefonnummer und adresse in der signatur sind dinge, die ich dort nie hinschreiben würde - denn nach der x-ten weiterleitung haben spammer und was-weiss-ich-noch-wer gleich alles zusammen, um mich anzugraben - nein, danke.

:: 2 ::
@juko: stimmt, deine signatur ist immer etwas dürftig ;-)

. soundtrack: depeche mode :: pipeline [construction time again] .

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